Jeder hört und spürt es beim Losfahren aus der Garage oder beim Anfahren an der Ampel; sobald man aus dem neutralen in den ersten Gang schaltet, klackt das Motorradgetriebe und es ruckt an der Kette. Gerade Motorradneulinge macht das oft misstrauisch – ist das Getriebe etwa defekt? Wir klären auf, woher das Klacken beim Einlegen des Ganges kommt!

Da ein Motorradgetriebe sehr kompakt gebaut ist, unterscheidet sich der innere Aufbau von einem Autogetriebe, das sehr leise arbeitet. Wir wollen es hier so simpel wie möglich halten, weshalb wir uns nicht mit Evolventen, Schrägverzahnung, Modul und Übersetzung aufhalten. Vielmehr wollen wir erklären, woher das Klacken beim Einlegen des ersten Ganges kommt und warum es kein Grund zur Sorge ist.Im Motorradgetriebe befindet sich eine Getriebeeingangswelle mit darauf sitzenden Zahnrädern. Über die Kupplung leitet sie die Rotationsbewegung und Energie des Motors in das Getriebe. Diese Welle rotiert dauerhaft, selbst im Leerlauf. Bei gezogener Kupplung findet im neutralen Gang immer noch eine Drehbewegung statt, da die Kupplungslamellen noch minimal aneinanderhaften und eine Verbindung von Motor zu Welle herstellen.

An der Getriebeausgangswelle sitzt das Antriebsritzel, das wir je nach Motorrad von außen sehen können. Im Inneren des Getriebes befinden sich auf dieser Welle ebenfalls Zahnräder. Das Ritzel ist über die Antriebskette mit dem Hinterrad verbunden. Wenn wir im Leerlauf an der Ampel warten, stehen die Räder des Motorrades und somit auch das Antriebsritzel und die Getriebeausgangswelle.

Bei einem stehenden Motorrad mit laufendem Motor und neutralem Gang finden wir in dem Getriebe also die rotierende Eingangswelle mit ihren Zahnrädern und die stehende Ausgangswelle, deren Zahnräder ebenfalls stehen. Auf beiden Wellen gibt es Zahnräder, die sich verschieben lassen und Zahnräder, die fest mit den Wellen verbunden sind. Über sogenannte Schaltklauen, die sich an den Seitenflächen der Zahnräder befinden, können feste und lose Zahnräder ineinandergeschoben und verbunden werden, um einen Kraftfluss zwischen beiden Wellen zu erzeugen. Durch das Ziehen der Kupplung wird die Rotationsbewegung der Eingangswelle nicht gestoppt. Legen wir nun den ersten Gang ein, schieben wir ein stehendes Zahnrad mit seinen Schaltklauen in die eines Rotierenden. Auf einen Schlag haken die Schaltklauen ein und beide Wellen kommen ruckartig zum Stillstand, da das stehende Hinterrad die Ausgangswelle blockiert. Dies kann als Schlag an der Kette wahrgenommen werden. Erst jetzt trennt die Kupplung vollständig den Motor vom Getriebe.

Dass sich die Eingangswelle im Stand selbst mit gezogener Kupplung dreht ist gewünscht, da bei stehenden Wellen die Schaltklauen der Zahnräder aufeinander stehen könnten und ein Einlegen des Ganges nicht möglich wäre. Wer schon mal versucht hat, ein Motorrad mit ausgeschaltetem Motor vom neutralen in den ersten Gang zu schalten, kennt dieses Phänomen wahrscheinlich. Dreht sich weder Eingangs- noch Ausgangswelle und die Schaltklauen der betroffenen Zahnräder stehen genau aufeinander, lässt sich der Gang nicht einlegen.Ein lautes Klacken und Rucken beim Einlegen des ersten Ganges ist also keineswegs problematisch, sondern gibt viel eher das Kommando zum Durchstarten.

TourDo – Never ride alone!

Bericht: Jochen Semek

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