Die Frage nach den richtigen Motorradreifen ist wohl die am häufigsten gestellte und am schwersten zu beantwortende. Statt einer Empfehlung, welche Mischung für euren Fahrstil die Beste ist, möchten wir die grundlegenden Bezeichnungen erläutern. Dafür schauen wir uns die Reifenflanke genauer an und entziffern die darauf angebrachten Beschriftungen. Hierfür haben wir uns beispielhaft die Flanke eines gängigen Modells betrachtet. In diesem Artikel erläutern wir euch im Detail, was sich hinter den Zahlen, Buchstaben und Kennzeichnungen verbirgt.

180/55 R17: Die Größenangabe des Reifens ist wohl die wichtigste und bekannteste Beschriftung auf einem Reifen. Die erste Zahl steht hierbei für die Breite des Reifens in Millimeter. Zu beachten ist, dass es hier zwischen verschiedenen Herstellern und Modellen gewisse Abweichungen geben kann. Außerdem hat die Felgenbreite einen Einfluss auf die Breite im montierten Zustand.

Die zweite Zahl definiert die Höhe der Flanke, also der Seitenwand des Reifens. Die Angabe erfolgt hier als prozentualer Wert der Reifenbreite. Der Reifen in unserem Beispiel hat eine Flankenhöhe von 55% von 180 Millimetern, was 99 Millimetern entspricht. Der Wert muss daher immer unmittelbar mit der Breite des Reifens genannt werden.

Die letzte Zahl gibt den Felgendurchmesser in Zoll an, was gleichzeitig dem Innendurchmesser des Reifens entspricht. Das R vor der Felgengröße weist auf eine Radialbauweise hin, siehe Erklärung zu Radial.

M/C: Diese Abkürzung steht für Motorcycle und weist auf die Art des Reifens als Motorradreifen hin, da sich die Geometrie grundlegend zu der eines Autoreifen unterscheidet.

73: Die 73 gibt den Lastindex des Reifens an. In einer Tabelle kann der jeweilige Lastindex einem Wert in Kilogramm zugeordnet werden, der die maximale Radlast angibt. Die Tabelle reicht von einem Lastindex von 21 mit 82,5 Kilogramm bis zum Index 89 mit 580 Kilogramm. Um die maximale Radlast zu gewährleisten, wird ein Luftdruck von 2,9 Bar und eine Geschwindigkeit unter 240 km/h vorausgesetzt.

W: Dieser einzelne Buchstabe steht für den Geschwindigkeitsindex. Hier wird dem Buchstaben in einer Tabelle eine maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit zugewiesen. Sie reicht von der Kennung F mit 80 km/h bis (W) mit über 270 km/h. Ist die Kennung umklammert, kann der maximale Wert überschritten werden. Beispiel: W entspricht einer zulässigen Geschwindigkeit von 270 km/h. (W) entspricht einer zulässigen Geschwindigkeit über 270 km/h.

DOT HB7D 979T 1721: Diese Kennzeichnung, dürfte vielen als DOT Nummer bekannt sein. Die Abkürzung stammt von dem Departement Of Transportation aus den USA. Hiervon rührt unter anderem auch die Klassifizierung der Bremsflüssigkeiten. Die korrekte Bezeichnung der Reifenkennung ist allerdings TIN, was für Tire Identification Number, also Reifenidentifikationsnummer steht. Interessant ist für Fahrer besonders der letzte Block mit vier Ziffern, der das Herstellungsdatum des Reifens angibt. Hierbei stehen die ersten beiden Ziffern für die Kalenderwoche und die letzten Beiden für das entsprechende Jahr. Die Buchstaben und Ziffern zwischen DOT und dem Herstellungsdatum beinhalten codierte Informationen über Fertigungsstandort, Größe und Handelsmarke und sind daher für den Nutzer unrelevant.

TL: Das Kürzel TL steht für Tubeless, also schlauchlos. Bei diesen Reifen ist es nicht notwendig, einen Schlauch im Inneren zu montieren. Die Kennung TT steht für Tubetype, also Schlauchtyp. Hier muss die Montage mit einem Schlauch erfolgen.

Rear: Motorradreifen werden mit Rear oder Front beschriftet, um zwischen Vorder- und Hinterreifen zu unterscheiden. Bei einigen Modellen unterscheidet sich die Profilform der beiden Reifen.Rotation: Der Schriftzug Rotation in Kombination mit einem Pfeil gibt die Drehrichtung des Reifens an, die bei der Montage berücksichtigt werden muss.

Radial: Auf modernen Reifen ist häufig der Begriff Radial aufgebracht. Das Innenleben eines Reifens besteht aus sogenannten Karkassen. Mehrere Lagen aus Gewebeschichten bilden dabei den inneren Aufbau des Reifens und sorgen für die Form und Stabilität. Je nach Ausrichtung der Gewebefäden unterscheidet man zwischen Diagonal- und Radialreifen. Die radiale Bauweise hat sich durch mehr Grip, mehr Schräglagenfreiheit, besseren Komfort und ein gleichmäßigeres Abriebsbild bewährt und ist heute Stand der Technik.

Farbiger Punkt: Einige Reifenhersteller balancieren die Reifen nach der Fertigung aus und markieren den Reifen mit einem farbigen – meist gelbem oder rotem – Punkt. Der Punkt befindet sich an der leichtesten Stelle des Reifens. Dieser sollte bei der Montage auf die Felge an der Stelle des Ventils liegen, da dies gleichzeitig die schwerste Stelle der Felge ist. Auf diese Weise lässt sich Gewicht beim Auswuchten sparen. TWI: Diese Abkürzung steht für Tire Wear Indicator, (deutsch Verschleißanzeiger) und steht meist am Rand der Lauffläche des Reifens. Optional ist das Firmenlogo eingeprägt. Je nach Ausnutzung der Lauffläche sind diese nach geringer Laufleistung schon nicht mehr erkennbar. Auf der Höhe dieser Markierungen befinden sich im Profil die Verschleißanzeiger in Form von kleinen Erhebungen im Negativprofil.

Auf verschiedenen Reifenmodellen wird man noch weitere Kennzeichnungen finden, die zusätzliche Auskunft zu Herstellungsland und Belastbarkeit geben. Außerdem werden abhängig vom Verkaufsmarkt des Herstellers weitere Zertifizierungsbezeichnungen auf dem Reifen angebracht (e-Nummer, SNI…), die auf die Erfüllungen der lokalen Anforderungen hinweisen.

Mit Hilfe dieser Kennzeichnungen könnt ihr herausfinden, ob der Reifen für euer Motorrad zulässig ist und welche Eckdaten er aufweist. Die Frage, welches Reifenmodell für euer Bike und euren Fahrstil der Beste ist, müsst ihr aber selbst „erfahren“. Never ride alone!

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