Leistungen von 200 PS sind bei heutigen Supersportlern keine Seltenheit. Kawasaki erreicht mit seinem Top Supersport Straßenbike, der Ninja H2, eine Leistung von über 200 PS und 140 Nm aus nur 998 ccm. Die Rennversion H2R knackt sogar die 300 PS Marke und verfügt über 160 Nm Drehmoment. Spätestens nach der Hochgeschwindigkeitsfahrt mit über 400 km/h war das Motorrad in aller Munde. Möglich werden diese extremen Leistungsdaten unter anderem durch die Aufladung mit einem Kompressor (engl. Supercharger).

Doch das Konzept eines zwangsbeatmeten Motors in einem Motorrad ist bei Kawasaki nicht neu. Bereits in den 80er Jahren führte der japanische Hersteller mit der Z 750 Turbo ein Modell ein, das mit einem Abgasturbolader ausgerüstet ist.

Neben dem Lader fanden einige weitere technische Raffinessen Einzug in die Turbo-Z. Der Motorblock entspricht in den Grundzügen dem der GPZ 750, kombiniert mit dem Zylinderkopf der GPZ 650. Im Bug des Motorrades, wo bei anderen Modellen der Öl- oder Wasserkühler zu finden ist, sitzt hier der Abgasturbolader im Fahrtwind. Wegen der enormen Thermik wurde in diesem Bereich eine Verkleidung aus Aluminium verbaut. Der Ölkühler sitzt direkt unter den Krümmer-Flanschen und ein Wasserkühler entfällt durch den Einsatz des luftgekühlten Blockes. Um dem zusätzlichen Druck des Laders standzuhalten, wurden Kolben und Pleuel angepasst sowie die Verdichtung reduziert. Genügend Reserven, um mit den 0,73 bar Ladedruck eine Leistung von 112 PS (in der offenen Version) und ein Drehmoment von 99 Nm zu produzieren. Eine ausreichende Spritversorgung garantiert hier keine Vergaserbank, sondern das Einspritzsystem DFI, das bereits in der GPZ 1100 erprobt war. Wer es wagt, kann mit dem 250 Kilogramm schweren Geschoss eine Geschwindigkeit von fast 230 km/h erreichen.

Die Ingenieure bei Kawasaki vereinten in der Z 750 Turbo bewährtes mit modernem, um eine Antwort auf die Bikes der Konkurrenz zu geben. Tatsächlich gelang es den Japanern, die Verkaufszahlen der vergleichbaren Modelle anderer Marken deutlich zu schlagen. Mit rund 1.500 in Deutschland verkauften Motorrädern bleibt das Modell dennoch eine Rarität mit Sammlerwert. Die Serienproduktion startete 1984 und lief 1987 aus.

Erst 30 Jahre später griff man mit der ersten Modellreihe der H2 und H2R das Konzept eines aufgeladenen Motors wieder auf. Nach den Supersport-Modellen folgte mit der H2 SX auch ein Sport-Tourer mit Kompressoraufladung. Gewissermaßen zurück zu den Wurzeln geht Kawasaki mit der neu eingeführten ZH2, die eine weitere Z mit Ladedruck in der Firmengeschichte darstellt.

Wer eine Z 750 Turbo einmal in freier Wildbahn sehen möchte oder gar eines dieser seltenen Motorräder besitzt, sollte sich das Turbo-Treffen der Interessengemeinschaft Kawasaki Z 750 Turbo im Hinterkopf behalten, das für Mai 2021 in Baden-Württemberg angedacht ist. Never ride alone…

Bericht Jochen Semek, Fotos Kawasaki Deutschland

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