Nicht nur für sportliche Fahrer spielt die Bremse eine wichtige Rolle beim Motorradfahren. Damit die Bremse aber so richtig zupacken kann, müssen die Bremsbeläge von guter Qualität und in einem ordentlichen Zustand sein. Mit den Reifen sind sie wohl das Verschleißteil schlechthin am Motorrad. Viele Biker greifen deshalb selbst zum Werkzeug und tauschen die Beläge in der eigenen Garage. Wer den Wechsel schon einmal durchgeführt hat, wird im Internet schnell ein breites Angebot an Bremsbelägen finden. Meist bieten für ein Modell mehrere Hersteller verschiedene Varianten von Belägen an. Warum gibt es so viele verschiedene Arten und worin liegen die Unterschiede?

Die zwei Begriffe, die man am häufigsten im Zusammenhang mit Bremsbelägen liest, sind „organisch“ und „gesintert“. Wir möchten die Bezeichnungen erklären, damit ihr wisst worauf bei der Auswahl zu achten ist!

In der Vergangenheit wurden die meisten Motorräder mit organischen Bremsbelägen ausgeliefert. Sie bestehen aus einer Mischung von organischen Materialien wie Gummi, Glas, und Faserverbundstoffen, die mit Harz vermischt und auf der Trägerplatte verpresst werden. Organische Beläge zeichnen sich durch ein sanftes Ansprechverhalten aus. Sie arbeiten relativ geräuscharm und neigen weniger zum Quietschen. Lange waren sie Stand der Technik und sind somit weit verbreitet und kostengünstig zu erwerben. Da sie aus einer weichen Mischung bestehen, strapazieren sie die Bremsscheiben nur geringfügig. Der Belag verschleißt also überproportional zur Scheibe. Die größte Schwachstelle des organischen Materials ist das schlechte Bremsverhalten im Nassen. Das hängt unter anderem an der geringen Hitzeaufnahmefähigkeit der Beläge, die sich daher auch nur bedingt für zügigere Fahrstyle eignen.

Die Nachteile des organischen Reibbelages versuchte man mit Sintermetallbelägen zu vermeiden. Diese metallisch glänzenden Beläge werden aus Metallpulver hergestellt. Ihr Name leitet sich von dem Herstellungsverfahren – dem Sintern – ab. Hierbei wird metallisches Pulver unter hohem Druck und Temperaturen um die 1000°C verpresst. Anschließend wird der Reibbelag mit der Trägerplatte verklebt. Der große Vorteil der Sinterbeläge ist die hervorragende Hitzeaufnahme und ein deutlich besseres Bremsverhalten bei Nässe. Da sie härter sind als organische, wird der Druckpunkt bissiger. Gleichzeitig steigt aber auch die Belastung auf die Bremsscheibe, die bei der Verwendung dieser Beläge mehr Verschleiß aufweisen kann als bei weichen organischen Belägen. Außerdem neigen die Sinterbeläge eher zum Quietschen und weißen bei genauem Hinhören ein deutlicheres Bremsgeräusch auf. Neben diesen beiden Sorten gibt es noch Semi-Sinterbeläge, mit denen man versucht, die Vorteile beider Arten zu verbinden. Im Rennsport finden Beläge aus extremen Sintermetallmischungen mit Carbon oder Kevlar Einsatz, die für den Gebrauch auf der Straße allerdings weder zulässig noch sinnvoll sind.

Bremsbeläge bestehen immer aus einem Materialmix. Jeder Hersteller hat dabei seine eigene Rezeptur, um einen möglichst guten Kompromiss zwischen Bremsleistung und Verschleiß zu erzielen. Vor dem Kauf solltet ihr euch vergewissern, dass eure Bremsscheibe mit dem Bremsbelag kompatibel ist. Eine kritische Paarung ist beispielsweise der Einsatz von Sinterbelägen auf Gussscheiben, da hier ein übermäßiger Verschleiß der Bremsscheiben die Folge sein kann. Bei Bikes mit ABS sollte ebenfalls darauf geachtet werden, ob original organische oder sintermetallische Beläge verbaut sind. Nicht immer bringt eine vermeintliche Aufrüstung von organischen auf Sinterbeläge eine Verbesserung.

Unabhängig von der Art des Reibbelages, sollte nach dem Wechsel eine Einfahrzeit von etwa 150 Kilometern absolviert werden. Hier kann sich die ebene Oberfläche des neuen Bremsbelages an die der gebrauchten Scheibe anpassen. In dieser Zeit sollten keine extremen Bremsungen erfolgen, um die Temperatur nicht in die Höhe zu treiben. Never ride alone!

Bericht Jochen Semek

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