Immer schneller, leichter und leistungsstärker – dieses Motto gilt für Supersportler schon seit Jahren. Gerade um die Jahrtausendwende fand die Entwicklung der Motoren scheinbar schneller statt als die von Reifen, Fahrwerken und Assistenzsystemen. Nicht umsonst betitelte man die ersten leistungsstarken Straßensportler wegen ihrer teils gefährlichen Charakteristik als „Witwenmacher“. Durch geeignete Assistenzsysteme und ausgereiftere Fahrwerke wurden die Sportler der letzten Jahre deutlich fahrbarer – trotz Leistungen jenseits der 200 PS. Einen großen Beitrag zur Optimierung des Handlings verdankte man schon früh dem Einsatz von Lenkungsdämpfern. Wie dieses kleine Teil funktioniert und wo der Einsatz sinnvoll ist, haben wir für euch zusammengefasst!

Bei einer zügigen Fahrweise oder beschädigten Straßen kann es oftmals zu brenzligen Situationen auf dem Bike kommen. Gerade in Kurven mit schlechtem Asphalt oder beim Beschleunigen mit hochmotorisierten Motorrädern kann es zu instabilen Fahrzuständen kommen. Ein bekanntes Phänomen ist dabei das Lenkerschlagen. Verursacht wird diese Gefahrensituation meist durch ein leichtes Abheben und wieder Aufsetzen des Vorderrades oder das Durchfahren von Schlaglöchern in Schräglage. Durch den Impuls auf das Vorderrad beginnt sich der Lenker unkontrollierbar von links nach rechts zu bewegen. Das Motorrad schaukelt sich immer weiter auf, wodurch der Effekt des Schlagens zusätzlich verstärkt werden kann. Das Lenkerschlagen (engl. Tank slapper) kann im schlimmsten Fall zu einem Sturz führen. Insbesondere ältere Bikes mit eher mäßigem Fahrwerk sind hier anfällig. Diese Gefahr versucht man mit sogenannten Lenkungsdämpfern zu unterbinden. Vor den 80er Jahren waren fast ausschließlich Rennmaschinen mit einem solchen Dämpfer ausgestattet. Einige Straßenmodelle waren für den Einsatz von Lenkungsdämpfern vorbereitet, wurden aber ohne ausgeliefert. Erkennbar ist das an manchen Motorrädern durch die Anschraubpunkte in Form eines Gewindes auf einer Seite des Rahmens unter dem Tank. Erst nach und nach wurden die großen Bikes der Hersteller serienmäßig mit Lenkungsdämpfern ausgeliefert.

Die Funktionsweise des Lenkungsdämpfers ähnelt dem von herkömmlichen Fahrwerksdämpfern. Im Inneren des Gehäuses befindet sich ein beweglicher Kolben, der mit einer Stange verbunden ist. Die Stange ist mit dem Rahmen verschraubt und das Gehäuse mit dem Lenker, oder umgekehrt. Je nach Lenkeinschlag verändert sich die Position der Kolbenstange relativ zum Gehäuse. Der Kolben unterteilt den Innenraum des Gehäuses in zwei veränderlich große Kammern, die mit Öl gefüllt sind. In dem Kolben befindet sich eine winzige Bohrung, durch die das Öl strömen muss, wenn der Lenker bewegt wird und sich die Kolbenstange bewegt. Da das Öl eine gewisse Zähflüssigkeit hat und der Bohrungsdurchmesser sehr klein ist, entsteht eine Dämpfung bei dem Durchfluss des Öls von der einen in die andere Kammer. Bei einstellbaren Lenkungsdämpfern kann man den Durchfluss des Öls durch die Bohrung variieren, sodass die Dämpfung geringer oder stärker wird.

Oftmals sind die Dämpfer an der unteren Gabelbrücke verbaut, sodass sie kaum ins Auge fallen. Optisch auffälliger sind die Varianten, die seitlich an dem Rahmen befestigt sind. Einige Hersteller montieren den Lenkungsdämpfer geradezu präsentativ zwischen Tank und oberer Gabelbrücke, wodurch man komfortabel die Dämpfung verstellen kann.

Der Zubehörmarkt bietet eine große Auswahl an Lenkungsdämpfern zum Nachrüsten für viele Modelle. Interessant dürfte das speziell für Besitzer der ersten modernen „Big Bikes“ sein, beispielsweise die ersten Baureihen der Yamaha R1, Kawasaki ZX-10R oder Honda CBR. Gerade die Modelle nach 2000 erreichten enorme Leistungsdaten bei geringem Gewicht und wurden ohne Lenkungsdämpfer ausgeliefert. Recht schnell erkannten die Hersteller die Schwachstelle und besserten in den Folgejahren aus, sodass ab 2006 in der Regel jede große Supersportmaschine einen zusätzlichen Dämpfer hat. Wer das Fahrwerk seines Motorrades anpasst oder die Geometrie ändert, könnte ebenfalls eine Optimierung durch den Anbau eines Lenkungsdämpfers erzielen. Aber auch für Fahrer von Bikes mit weniger Leistung bietet der Dämpfer einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn, insbesondere dann, wenn die Hausstrecke das ein oder andere Schlagloch aufweist.

Bleibt sitzen und never ride alone!

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